Leg’ Dich nicht mit den Google-Göttern an! Diese Lektion haben mehrere kleine und mittlere Unternehmen lernen müssen. So auch Paul Sanar, 21-jähriger Schmuck-Händler, der Edelsteine, Ringe und andere Schmuckstücke über das Internet vertreibt. Nach eigenen Angaben verkauft er Waren im Wert von drei Millionen Dollar pro Jahr. Doch als Google seine Website Skyfacet.com aus dem primären Suchindex entfernte, brach der Umsatz in den folgenden drei Monaten um etwa 500.000 US Dollar ein.
Seit September letzten Jahres erscheint die Sanar’s Website nicht mehr unter den ersten Ergebnissen für Suchanfragen wie beispielsweise “diamond” oder “engagement ring”, was früher anders war. Was war passiert? Sanar kann nicht sicher sein aus welchem Grund seine Website aus dem primären Suchindex in den sog. Supplemental Index abgestiegen ist, der eine Art zweiten Pool für fragwürdige Inhalte darstellt und in Marketing-Kreisen als Google Hell bezeichnet wird.
Die Google-Hölle ist die größte Angst aller Anwender, ob Unternehmen oder Einzelpersonen, die Online-Handel betreiben und daher besonders stark von Suchmaschinen abhängig sind. In diese virtuelle Unterwelt abzusteigen bedeutet für viele enorme Umsatzeinbußen und kann unter Umständen sogar zum Bankrott der Unternehmung führen. Das eigentliche Problem liegt darin, daß man möglichweise nicht mehr aus diesem Kreis der fragwürdigen Inhalten herauskommt, da es für Seitenbetreiber oft nicht nachvollziehbar ist, wie sie überhaupt hineingeraten sind.
Google-Entwickler schufen den Supplemental Index, um die Suchmaschine zu entlasten und performanter zu machen. Dazu gehört auch der Spider, der Algorithmus zu Katalogisierung von Websites. Der Index dient als Auffangbecken für Inhalte, die entweder nicht den Richtlinien der Suchmaschine entsprechen oder einfach nur existieren, um das Ranking bestimmter Seiten zu verbessern.
Seiten in diesem Index werden bei weitem nicht so oft aktualisiert wie die im primären Index. Das bedeutet, daß Inhalte der Google-Hölle so lange in ihr verbleiben, bis Google sich entscheidet, sie erneut zu indizieren und zu bewerten. Diese Zeitspanne kann unter Umständen bis zu einem Jahr betragen. Während Google bemüht ist, daß ständig wachsende Web zu indizieren, landen immer mehr Seiten in der Hölle.
Diese Betrachtung soll nicht zwingend zu einem Negativurteil führen, denn Google ist selbst in einer schwierigen Position. Der führende Suchmaschinenanbieter muß ständig neue Seiten scannen und einordnen (dazu gehört die Zuordnung eines Rankings) und ist bemüht, die Spreu vom Weizen zu trennen. Das Web wird immer größer, so auch die Anzahl von Websites mit Junk-Text und Werbung, die lediglich das Ranking anderer Seiten aufwerten sollen und grundsätzlich keine wertvollen Inhalte liefern. Google erlangte seine Führung durch die Auslieferung erstaunlich guter Ergebnisse im Gegensatz zu seinen Rivalen Yahoo!, MSN oder Ask.com, die aber stetig aufholen.
Wie entscheidet Google, welche Websites im primären und welchen im Supplemental Index landen? Die Frage ist nur von Insidern verlässlich zu beantworten, denn Google hält sämtliche Details über diese Dinge gezielt zurück, um Mißbrauch vorzubeugen. Auf der anderen Seite wird es den Website-Betreibern wie Paul Sanar dadurch nahezu unmöglich gemacht, ihre Inhalte so zu ändern, daß diese vermeintlich fehlerhafte Einordnung nicht geschehen kann.
Sanar selbst glaubt, die Probleme auf einen Berater für Suchmaschinen-Marketing zurückführen zu können, dem er, nach eigenen Angaben, ca. 35.000 US-Dollar zahlte, um das Google-Ranking zu verbessern. Dieser habe wohl einige Fehler gemacht und verursachte damit eventuell das Verschwinden der Website aus dem primären Index. Selbst nachdem die Änderungen rückgängig gemacht wurden, befindet sich die Site noch immer in der Google-Hölle.
Chris Bartow ist Berater für Suchmaschinenmarketing für Revenco.com, eine Immobiliensite, derren Großteil der Unterseiten in Googles Supplemental Index gelandet sind und dort für etwa 6 Monate verblieben. Bartow glaubt, daß die Duplizierung von Inhalten auf 90% der Seiten dazu führte, daß Google die Inhalte als Plagiate deklarierte und sie aus dem primären Suchindex verbannte.
Ich weiß, daß sie versuchen, Seiten mit nutzlosen Inhalten loszuwerden, doch wenn Deine Seiten einfach verschwinden verlierst Du eine Menge Besucher und auch jede Menge Geld
sagt Bartow. Er glaubt, daß die Seiten in der Google-Hölle landeten, weil ein vorübergehender “Defekt” des Algorithmus die Seiten falsch bewertete. Andere Suchmaschinenexperten glauben jedoch, daß die Google-Hölle stetig an Größe und Strenge zunimmt:
Der Supplemental Index hat in der letzten Zeit einen erstaunlichen Aufschwung erfahren. Google ist agressiver bei der Verbannung von Webseiten geworden
erklärt Aaron Wall, Suchmaschinenexperte und Google-Beobachter. Diesen Trend bestätigt auch Marketing-Experte Michael Gray, der die angewandten Standards schon immer wieder zwischen Auflockerung und Verstärkung wecheln sah, jedoch festellen mußte, daß in letzter Zeit die “Brutalität” zugenommen habe und deshalb…
…viele Kollateralschäden bei einigen Entscheidungen aufgetreten sind. Google versucht das Kind mit dem Bade auszuschütten, was aber unmöglich ist. Ein Spammer kann legitime Websites leicht nachbauen, wenn er die richtigen Tricks kennt.
sagt Gray. Und genau hier liegt ein Großteil des Problems. Google kann in den meisten Fällen nur reagieren, so daß Spammer immer ausgefeilter werden, um der Abschiebung in die Google-Hölle zu entgehen.
Die Kriterien nach denen die Websites als für den Main Index akzeptablen Standard beurteilt werden bleibt weiterhin im Dunkeln. Allerdings wissen die meisten Web Designer inzwischen, daß Seiten, mit gleichen Inhalten automatisch das Ranking gefährden. Desweiteren sind wenig Bilder oder wenige Worte und das Fehlen von Links Anzeichen für Google, diese Website eventuell nicht in den Main Index aufzunehmen. Leider sind besonders neu eingestellte Seite besonders anfällig, da Sie oftmals wenige Inhalte und ebenso wenig Links aufweisen.
Google ist in dieser Angelegenheit wie immer sehr verschwiegen. Die Website für Web Designer sagt lediglich:
We’re able to place fewer restraints on sites that we crawl for this supplemental index than we do on sites that are crawled for our main index.
Diese Aussage gibt mehr Rätsel auf als sie löst. Zwar existieren Richtlinien für Webmaster, allerdings sind die Hinweise so allgemein gehalten, daß sie wenig Aussagen über die Algorithmik hinter Google’s Bewertungssystem zulassen. Fest steht für viele Experten nur eines: ist die Website erst einmal in der Google-Hölle, bleibt sie dort für sehr lange Zeit.
graegerts