Internet: IPv6-Übergang wird schwierig

May 5th, 2007 Permalink

Das Internet in ein Next-Generation Internet (NG), sprich in ein IPv6-Internet, zu verwandeln, kommt dem Wechsel der Triebwerke eines Flugzeugs während des Fluges gleich. Die meisten Netzwerkgeräte wie beispielsweise Router müssen ersetzt werden. PCs, Server und Workstations können in den meisten Fällen mit Updates auf den neuesten Stand gebracht werden, doch echte Kopfschmerzen treten erst auf, wenn man sich vor Augen führt, daß das Internet nicht für Verwaltungsarbeiten einfach abgeschaltet werden kann, zumal viele Unternehmen und Einzelpersonen von einem funktionalen Internet abhängig sind. Von den Kosten ganz zu schweigen, nicht weniger als mehrere Milliarden Euro.

Verfechter eines sicheren und sauberen Internets (clean-slate Internet) stimmen überein, daß ein Übergang auf die neue Internetprotokollversion IPv6 nicht einfach wird. Clean-slate Design sieht eine Restrukturierung der aktuellen Architektur zur Verbesserung der Sicherheit, Mobilität und andere aufkommender Faktoren vor.

Die wichtigsten Standardisierung für das Next-Generation-Protokoll sind bereits seit fast zehn Jahren abgeschlossen, dennoch arbeitet die meiste Software und Hardware noch heute mit IPv4, das in naher Zukunft kaum noch Adressraum für das stetige Wachstum des Internets aufweisen wird. IPv6 ist angetreten unter anderem auch diesen Problem durch die Erweiterung des Adresslänge von 32 auf 128 Bit zu lösen.

Forscher sind von dieser Tatsache nicht wirklich beeindruckt und machen sich seit einiger Zeit bereits Gedanken. So umschreibt Andrea Goldsmith, Professor für Elektrtechnik an der Universität zu Stanford, die Problematik folgendermaßen:

Die Grundfrage eines Clean-slate Designs ist: Wie kann das realisiert werden? Die Antwort muß unabhändig von der Frage beantwortet werden, ob eine Nachrüstung möglich ist. Sobald wir wissen, was das richtige ist, können wir fragen, ob es einen evolutionären Pfad gibt.

Übergangsszenarien

Ein Szenario sieht vor, ein paralleles Netzwerk für Applikationen zu betreiben, die native IPv6-Unterstützung benötigen. Die Leute könnten dann in einer angemessenen Zeitspanne auf das neue Netzwerk umstellen. Das entspricht ungefähr dem aktuellen Ansatz, VoIP und das traditionelle Telefonnetzwerk parallel zu betreiben, während Unternehmen und Einzelpersonen je nach Bedarf langsam auf die neue Technologie umsteigen.

Larry Peterson, Vorsitzender der Fakultät für Computerwissenschaften an der Universität zu Princeton trifft es auf den Punkt:

So etwas wie einen Flag Day gibt es nicht. Was passiert ist, daß einige Dienste gerade beginnen, Nutzer anzuziehen, und die Industry handelt so bald der Bedarf wirtschaftlich tragfähig ist.

Das ist nicht ganz so verschieden von dem Ansatz der NASA, daß das Internet in den Weltraum tragen möchte. Die NASA hat bereits begonnen ein interplanetares Internet in ihren Raumträgern zu installieren, so daß sie auf gleichartige Weise miteinander und der Missionskontrolle kommunizieren können.

Doch aufgrund der problematischen Eigenschaften des Weltalls, wie beispielsweise das Ausblenden von Signalen durch den Globus selbst und die enormen Entfernungen (so benötigt eine Übertragung zum Mars zwischen 15 und 45 Minuten), können die Protokolle, welches für die Erde konzipiert wurden nicht einfach auf das Weltall übertragen. Aus diesem Grund existieren Gateways, die beide Netzwerke miteinander verbinden.

Um Kosten zu sparen könnten Unternehmen Netzwerkgeräte einsetzen, die mit beiden Netzwerken arbeiten können. Das tun sie aber nur, wenn sie tatsächlich auch Funktionen des neuen Netzwerks benötigen.

Andere wiederum glauben, daß das Internet in seiner jetzigen Form nicht völlig verschwinden wird und das die Früchte des NG-Internets nur langsam im Rahmen von schrittweisen Verbesserungen in das Internet eingeführt werden.

Man kann nicht einfach ein internationales Netzwerk umbauen und erwarten, daß jeder sofort aufspringt. Die alten Systeme sind nun mal da und man kommt von ihnen unter Umständen auch nicht mehr weg

meint UCLA-Professor Leonard Kleinrock, der maßgeblich an der Entwicklung des NG-Internets beteiligt war.

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