Sun Micrososystems, das sich Anfang der 90er Jahre als the dot in dot-com verstanden hat, versucht nun erneut mehr auf die Start-Up Community der heutigen Zeit zuzugehen, doch diesmal lockt das Unternehmen Web 2.0 Start-Ups mit günstigen Servern und freier Software.
Teil der neuen Offensive des Computer- und Softwareherstellers aus dem sonnigen Santa Clara ist die heutige Konferenz unter dem Titel CommunityOne, nur einen Tag for der JavaOne Developer Conference. Auf beiden Konferenzen in San Francisco wird Sun seine weitreichenden Angebote aus der Open Source-Welt, die von engagierten Entwicklern aus aller Welt vorangetrieben werden, bewerben. Der Vorstoß ist nicht ganz uneigennützig, schließlich sind viele der neuen Unternehmen im Web 2.0-Ökosystem auch potentielle Kandidaten für zukunftsträchtige Open Source-Projekte.
Wir sind im letzten Jahr sehr aktiv gewesen und haben eine Menge Programme etabliert, die nicht nur auf Start-Ups sondern auch auf Open Source ausgerichtet sind. Wir nehmen unsere Führungsrolle sehr ernst.
sagte Richard Green, Executive Vice President der Softwaresparte bei Sun. Erst vor kurzem sei Sun von der Europäischen Union als führendes Unternehmen bei der Unterstützung von Open Source-Software bestätigt worden, fügte Green hinzu.
Zwar könnte Sun tatsächlich als führendes Unternehmen in der Open Source-Welt angesehen werden, insbesondere nach der Öffnung des Java- und Solaris-Codes, doch im Serversegment ist Sun nicht mehr die erste Wahl der Web 2.0-Unternehmen.
Ein Trend des zweiten Internet-Booms ist die Nutzung von günstigen sog. White Box Servern, die mit Standardprozessoren von Intel oder AMD arbeiten. Ebenfalls günstiger als je zuvor sind aktuelle Web Hosting- und On-Demand-Angebote wie beispielsweise Amazon’s Pay-As-You-Serve-Dienste EC2 und S3.
Während des letzten Dot-Com-Booms erteilte Sun vielen Start-Ups Rabatte, um ihnen den Erwerb hochwertiger und teurer Server aus der SPARC-Familie zu erleichtern. Viele dieser Unternehmen sind aber, wie wir leidvoll erfahren mußten, im letzten Abwärtstrend untergegangen.
Nun ist Sun wieder dabei, wenn es um die Unterstützung junger, innovativer Unternehmen geht, von denen sich das eine oder andere durchaus zum nächsten Google- oder Yahoo!-Wunder entwickeln könnte. Diesmal werden die Rabatte aber auf Server und Workstations mit Prozessoren von Intel und AMD erteilt. Darüber hinaus kann Sun umfangreiche freie Softwarelösungen beisteuern, zum einen, um sie auf die Solaris-Schiene weg von Linux zu bringen und zum anderen, um ihre Java-Technologien weiter zu verbreiten. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen Start-Ups mit Boot Camps.
Indem wir unsere Technologien der Open Source-Welt zur Verfügung stellen und die Open Soure-Welt selbst ein enormer Anziehungsfaktor ist, können wir Leute bereits im frühesten Stadium der Entwicklung unterstützen. Wir sind inzwischen ein deutlich vielseitigeres Unternehmen. Nun können die Organisationen, die versuchen, das neue große Ding zu landen, mit Sun sprechen, um technische Probleme zu lösen.
sagt Green. Mit dem Grid-Angebot, welches Firmen erlaubt, große Rechenkapazitäten zu mieten, wie es letztlich auch Hewlett-Packard tut, erweitert es sein Portfolio, steht allerdings einem ähnlichen Angebot von Amazon gegenüber, das mit niedrigsten Preisen lockt.
An der Softwarefront sieht sich Sun einer anderen Herausforderung gegenüber. Der populäre Software-Stack LAMP (Linux, Apache, MySQL, PHP/Perl) ist die bevorzugte Kombination von Web 2.0-Startups. Das P kann auf PHP, Perl oder Python gemünzt werden, letzteres ist besonders bei Google beliebt, das erst kürzlich Python-Erfinder Guido van Rossum einstellte.
“Eine enorme Anzahl von Leuten setzen auf LAMP”, versichert Stephen O’Grady, Analyst bei RedMonk, der auf Sun’s CommunityOne sprechen wird. Weiter fügt er hinzu, daß die Konferenz nicht dazu da ist, Entwickler von Solaris und Java zu überzeugen, damit sie sich gegen die LAMP-Kombination entscheiden. Stattdessen “schaffen wir es, Brücken zu bauen und Konversationen in Gang zu bringen”.
Dennoch, Sun’s Programmierplattform Java ist nun über 10 Jahre alt und sieht sich starkem Druck von der Python-Gemeinde und Ruby ausgesetzt. Beide sind fast ebenso lange existent, entwickeln jedoch erst mit dem Web 2.0-Boom ihre volle Wirksamkeit. Die Verbreitung von Ruby nahm sprunghaft zu, nachdem das Framework Ruby on Rails im Jahre 2004 das Licht der Welt erblickte. Besonders jüngere Entwickler schätzen die beiden Sprachen aufgrund der leichten Erlernbarkeit und kürzeren Entwicklungszeit von Anwendungen, was ein kritischer Faktor für neue Unternehmen ist.
Rob Russel, Executive Director von Planet Argon, Entwickler von Community und Social Networking Sites, beobachtete, daß “Ruby on Rails als ernste Bedrohung für Java eingeschäzt wurde”. Sun hat jetzt JRuby vorgestellt, das Ruby-Anwendungen auf der Java-Runtime ausführen kann. Passend dazu ist das Motto der JavaOne-Konferenz: Open Possibilities.
Sun ignoriert die Bedrohung durch neue Sprachen nicht, doch wichtiger ist, daß Sun seine Technologien auch weiterhin öffnet, um nicht zurückzufallen.
bemerkt Dan Kohn, CEO der Linux Foundation in San Francisco und trifft damit der Nerv der Zeit.
graegerts