Was versuchen uns SOA-Hersteller zu verkaufen?

November 20th, 2007 Permalink

Viele namhafte Hersteller und einige Start-Ups tummeln sich auf dem SOA-Markt. Wenn es denn einen solchen gibt (der Frage gehen wir gleich nach), dann Frage ich mich, was versuchen sie uns da eigentlich zu verkaufen. Mal abgesehen davon: mir ist keine eindeutige Abgrenzung einer SOA bekannt. Viele sagen, SOA ist eine Business-Sache, andere meinen, man müsse das von IT-Seite betrachten, wieder andere sind der Meinung, beide Bereiche sind Bestandteil einer SOA.

OK, wir wissen, das SOA noch immer das ist, was ein Unternehmen darin sieht: SOA steht und fällt mit der Bedeutung für ein Unternehmen. Und welche Rolle können hier nun die Hersteller von SOA-Produkten spielen? Ich habe keine Ahnung, aber ein paar Überlegungen angestellt, die ich im folgenden kurz darlegen möchte.

Reden, reden, reden!

Viele SOA-Hersteller sind so getrieben von den Marketing-Abteilungen und ihren großen Versprechen, daß sie ganz vergessen um was es bei der Einführung einer SOA bei einem Kunden geht. Es wäre wirklich toll, wenn alle Unternehmen gleiche Problembereiche identifizieren könnten, die auch noch in die gleiche SOA-Definition passen. Die Realität sieht aber nun einmal anders aus. Unternehmen sind nie gleich, keines ist mit einem anderen vergleichbar. Kaum vorstellbar, daß es eine Lösung für die Einführung einer SOA gibt.

Einer Lösung kämen wir aber näher, wenn die Hersteller den SOA-Protagonisten eines Unternehmens mehr zuhören würden. Das Resultat wäre ein verlässlicheres Werkzeug für die SOA-Einführung, wie maßgeschneidert. Allerdings stellt sich dann die Frage, wie so ein Produkt in Serie gehen kann. Ganz einfach: gar nicht! Eine SOA ist eine Angelegenheit, die jedes Unternehmen auf unterschiedliche Weise angeht. Es ist ein langfristiges Projekt mit unterschiedlichen Zielsetzungen, beispielsweise gibt es Unternehmen, die lediglich interne Prozesse betrachten, während andere besonderes Augenmerk auf die Interaktion mit externen Diensten und Dienstleistern legen.

Ich Tarzan, Du Jane!

Viele Hersteller verkaufen SOA-Produkte mit bestimmten Funktionen. Jedes Produkt macht eine bestimmte, meist genau definierte Sache. Von der Einzigartigkeit des Kunden aus betrachtet heißt das, existierende Strukturen und Architekturen an die Fähigkeiten des Produkts anzupassen, da es sonst keine Existenzberechtigung hätte.

Ein Beispiel: Anbieter A hat eine Lösung für die Datenintegration im Portfolio. Dieses Produkt betrachtet alle SOAs als Datenintegrationsprobleme, die es zu lösen gilt, kann aber, mangels Fähigkeiten, Faktoren wie Verhaltensweisen oder transaktionale Integration der Daten nicht berücksichtigen. Diese Konzepte passen einfach nicht in die Muster des Produkts.

Eins, zwei, drei, SOA!

Interessanterweise lassen sich auf dem “SOA-Markt” die gleichen Muster beobachten, wie sie bereits in anderen Bereichen stattfanden, und stets von einer Welle der Euphorie getragen wurden, die dann langsam abflachte um in etwas anderem wieder aufzugehen. Ich spreche von “magischer Technologie”. Sie kann existierende Geschäftsprozesse und -strukturen in SOA umwandeln. Auf Knopfdruck! Das ist natürlich Unsinn! Und in den meisten Fällen wird alles noch viel schlimmer, denn solche Programme machen die existierende Architektur noch viel komplexer als sie ohnehin schon ist.

Die Wahrheit ist, daß die Einführung einer Architektur (das “A” in SOA drückt das aus) in der IT einen systematischen Wandel in der Nutzung und Konfiguration von IT-Ressourcen bedeutet und in SOA die Abstraktion von atomaren Vorgängen (Prozessen) in Dienste meint, die anschließend in Solutions überführt werden können. Ein ESB oder ein Governance Tool macht das nicht, denn es kann vorsichtige, langfristige Planung und Ausführung nicht ersetzen. Hinzu kommt, daß die Auswahl der richtigen Technologie einen ganz wesentlichen Teil zum Erfolg eines SOA-Rollout beiträgt. Was diesen Prozess begleiten kann sind Best Practices und Tools für das Lifecycle Management. Eine Technolgie leistet das nicht allein.

Es gibt einen SOA-Markt…

…aber nicht für Massenprodukte. Ob SAP, Software AG, IBM, BEA, etc.. Sie alle verkaufen Produkte, die den meisten Unternehmen keinen Vorteil bringen, da sie naturgemäß nicht die Einzigartigkeit eines Unternehmens abbilden können. Demnach kann Software für die Unterstützung eines SOA-Rollout nur maßgeschneidert sein und muss in dem langen Prozess der Einführung immer wieder neuen Herausforderungen angepaßt werden.

Genau das leisten kleinere Start-Ups, die sich auf die Beratung bei der Einführung einer SOA spezialisiert haben. Sie passen Softwarelösungen an, stehen dem Unternehmen beratend über alle Phasen hinweg zur Seite und sind in der Lage schnell auf Veränderungen zu reagieren.

Einen Markt für SOA-Produkte im herkömmlichen Sinn gibt es noch nicht. Und wer jetzt an ESBs denkt, dem sei gesagt, daß es diese Produkte oft schon vor der Definition von SOA existierten und damals bereits einen Markt bedienten. SOA muß Ihre Niche noch finden.

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